Nach Krabi zu kommen ist um einiges aufregender als der Ort selbst: die die Stadt umgebende Landschaft besteht aus einer Vielzahl bizarrer Bergspitzen, die sich wie bewaldete Finger und Fäuste über Kautschuk- und Kokosnuss-Plantagen erheben. Es ist schwierig, hierherzukommen, und Krabi selbst ist zunächst enttäuschend. Wenn man bedenkt, wie viele Touristen derzeit auf ihrem Weg nach Ko Phi Phi und Ko Lanta hier durchkommen, ist diese kleine Provinzhauptstadt immer noch erstaunlich ursprünglich. Einst war sie fünf Kilometer nördlich in Talaat Kao gelegen, aber König Chulalongkorn schlug vor, den Ort näher an die Mündung des Flusses Krabi zu verlegen. Doch Krabi ist ein angenehmes Städtchen, und es kann einem ans Herz wachsen, wenn man sich ein paar Tage Zeit dafür nimmt. Die meisten Touristen tun das jedoch nicht, weil die nahegelgenen Inseln und Strände (Ao Nang und Laem Phra Nang sind nur 45 Minuten entfernt) eine viel größere Anziehungskraft haben. Aber obwohl der Ort an Kulturgütern nicht viel bietet, gibt es doch viele Unterbringungsmöglichkeiten und Restaurants, auch gute Reiseunternehmen, die Tagesausflüge in die nahen Wälder und Nationalparks organisieren.
Einer der einfachsten und beliebtesten Ausflüge (besonders bei Vogelliebhabern) ist die Fahrt zu den Mangrovensümpfen entlang der Flussmündung des Krabi. Jeder der Longtail-Bootslenker gleich nördlich des Hauptanlegestegs wird Ihnen eine einstündige Tour für 100 – 200 Baht anbieten. Der beste Mann, den Sie für die Tour kriegen können, ist Khun Dai (erkundigen Sie sich bie “Chan Phen Travel”): Er weiß genau, wo die meisten Vögel zu beobachten sind. Wahrscheinlich wird er früh aufbrechen wollen. Es ist aber nicht nur die Vogelwelt, die diesen Ausflug so aufregend macht; die Mangrovensümpfe sind ein faszinierendes Biotop mit Winkerkrabben und Schlammspringern, Ottern und krabbenfressenden Makaken. Als Kontrastprogramm dazu nehmen sie ein Songthaeo vom Ort aus nach Wat Tham Seua (Tigerhöhlentempel), das etwa acht Kilometer nordöstlich der Stadt liegt (Motorrad-Taxis warten an der Highwayabfahrt und fahren Sie für 10 Baht die letzten Kilometer). Der Hauptbot – wenn Sie ankommen, sehen Sie ihn links – wurde in eine niedrige tiefe Höhle eingebaut, und er ist nicht nur mit Porträts des lächelnden rundlichen Abtes geschmückt, sondern auch mit makabren Fotos von Leichen mit eingeschlagenen Schädeln; in einem Glaskasten ist ein Skelett zu sehen.
Noch schauerlichere Fotos von sezierten Leichen erwarten Sie im verborgenen Herzen des Tempelkomplexes – aber das ist wirklich nicht das Bemerkenswerteste an dieser außergewöhnlichen “spirituellen Enklave”. Dahin kommen Sie vielmehr, wenn Sie einen kleinen Hügel neben der bunten Statue von Kuan Yin (chinesische Göttin der Barmherzigkeit) hinaufsteigen und hinter den Bot kommen. Auf der anderen Seite haben Sie einen dichten Wald, der ringsum von Klippen und Höhlen umgeben ist. Hier leben die Mönche in kleinen Hütten (kutis genannt), die neben Nischen und Höhlen stehen. Einige der Höhlen beherbergen Buddha-Figuren und dienen als Kapellen. Wenn sie dem Weg zwischen den turmhohen, mit dicken Lianenwurzeln behängten Bäumen folgen, fühlen Sie sich völlig von der Außenwelt abgeschnitten. In Wirklichkeit ist für die Mönche jederzeit gut gesorgt – Stromleitungen führen zu den Kutis, und es gibt sogar ein paar Waschmaschinen – aber Abgeschiedenheit und Ruhe sind dennoch überwältigend.
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